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Berichterstattung im Leverkusener
Anzeiger
Der Anfang vom Ende
ERSTELLT 23.10.07, 18:19h
Rainer Schmidt
Leverkusen - Die SPD hat Zeichen
gesetzt: Mithilfe einer "Allianz" jenseits des christdemokratischen
Kooperationspartners hat sie der dritten Gesamtschule in Leverkusen
den Weg geebnet. Gleichzeitig hat sie den Anfang vom Ende der
Große Koalition eingeläutet und den Vertrag mit der
CDU gebrochen. Da verfängt auch nicht der herunter spielende
Hinweis von SPD-Fraktionschef Walter Mende, auch bei der CDU
habe es schon mal einen Sündenfall gegeben.
Will die SPD die Gesamtschule tatsächlich realisieren, so
muss sie fortan noch mehrfach sündigen, denn einige weitere
Ratsbeschlüsse sind notwendig, bis die Schule den Lehrbetrieb
aufnehmen kann, und jedes Mal wird die SPD wieder die CDU brüskieren
und überstimmen müssen.
Das kann sich die CDU-Fraktion nicht gefallen lassen, und dennoch
wirkt deren Vorsitzender Klaus Hupperth merkwürdig hilflos.
Zwar stellte er unmissverständlich fest, die SPD habe den
Kooperationsvertrag gebrochen, doch welche Konsequenzen seine
Fraktion daraus zu ziehen gedenkt, vermochte Hupperth nicht zu
sagen. Er müsse erst mal mit seiner Fraktion reden. So neu
aber war die Sache am Tag der Ratssitzung nicht mehr. Spätestens
am Donnerstag vergangener Woche, als der gemeinsame Antrag der
"Gesamtschulallianz" schriftlich vorlag, war klar,
dass die SPD die Koalition brechen würde.
Wie auch immer die Sache ausgehen mag, sollte die Große
Koalition brechen, der Schaden hielte sich in Grenzen. Die beiden
großen Themen Bäderlandschaft und Neugestaltung der
City sind politisch abgearbeitet, und bis zum Ende der Wahlperiode
im Herbst 2009 würde das Bündnis sowieso nicht halten.
Spätestens in einem Jahr muss die CDU beginnen, sich gegen
die SPD zu profilieren und einen eigenen OB-Kandidaten aufbauen.
Dies erst recht, falls OB Ernst Küchler sich zur Wiederwahl
stellt.
DRUCK-VERSION 24.10.07
"Überhaupt
keine Auswirkungen"
VON HARTMUT ZITZEN, 23.10.07, 18:37h
Was halten die Leiter der weiterführenden Opladener Schulen
von einer dritten Gesamtschule?
"Um meine eigene Schule mache ich mir keine Sorgen. Aber
ich glaube auch nicht, dass darunter keine Schule leiden wird."
Jutta Hoede-Schneckenburger, die Leiterin der Theodor-Heuss-Realschule,
bezeichnet den Ratsbeschluss zur Errichtung einer Gesamtschule
im Raum Opladen als eine "politische Entscheidung",
die sie nicht kommentieren wolle. Allerdings wundere sie sich
schon ein wenig darüber, dass für einen Ganztagsbetrieb
der Hauptschulen kein Geld vorhanden sei, wohl aber für
eine dritte Leverkusener Gesamtschule.
Dass die nicht ohne Auswirkungen auf die Katholische Hauptschule
Im Hederichsfeld bleiben würde, glaubt deren Leiterin Natali
Schoroth-Prang. Wie sich die Dinge genau entwickeln werden, sei
schwer vorauszusagen, aber schon heute habe ihre Hauptschule
etliche Schülerinnen und Schüler, die von den bestehenden
Gesamtschulen nicht angenommen worden seien - "die würden
uns dann natürlich fehlen". Grundsätzlich verteidigt
sie die Existenzberechtigung der Hauptschulen, die ihre eigenen
Vorteile wie kleinere und überschaubare Strukturen hätten.
Da die Eröffnung der dritten Gesamtschule aber voraussichtlich
in ferner Zukunft liege, warte das Kollegium einstweilen gelassen
ab.
"Überhaupt keine Auswirkungen" erwartet dagegen
Joachim Nielen, der stellvertretende Leiter der Marienschule.
"Abgesehen davon, dass wir eine gymnasiale Angebotsschule
sind, haben wir ein überregionales Einzugsgebiet und sind
deswegen nicht vom Standort Opladen abhängig", sagte
Nielen, der außerdem darauf hinwies, dass die Kirche keinerlei
ideologische Vorbehalte gegen Gesamtschulen hege - "das
Erzbistum betreibt schließlich selbst welche".
DRUCK-VERSION 24.10.07
CDU bangt um eines
der Gymnasien
VON RAINER SCHMIDT, 23.10.07, 18:42h, AKTUALISIERT 23.10.07,
21:34h
Mit den Stimmen von SPD, Bürgerliste, Grünen und Pro
Op beschloss der Rat am Montag die Einrichtung einer dritten
Gesamtschule. CDU und FDP sind strikt dagegen.
Leverkusen - Zugegeben, ein Hintertürchen hat man sich noch
offen gelassen. Der Bedarf muss noch offiziell ermittelt werden,
bevor der endgültige Beschluss für die Einrichtung
einer dritten Gesamtschule fallen kann. Für die kurzfristige
neue Ratsmehrheit aber, die sich am Montag eigens für den
Tagesordnungspunkt 24 gebildet hatte, liegt auf der Hand: Der
Bedarf ist vorhanden.
So argumentierte denn auch Eva Lux, jugendpolitische Sprecherin
der Fraktion und Vorsitzende der Leverkusener SPD: "Die
Schulwahlentscheidung von Eltern ist in diesem Jahr allein für
Gesamtschulen in NRW 16 000 Mal abgelehnt worden, davon 129 Mal
in Leverkusen." Der Elternwille aber sei eindeutig. Viele
Eltern wollten, dass ihr Kind eine Gesamtschule besuchen. In
Leverkusen aber seien die beiden vorhandenen "voll bis unters
Dach." Vor einer "bildungspolitischen Zukunftsinvestition"
dürfe sich auch eine Stadt im Nothaushalt nicht drücken.
Die SPD jedenfalls sei bereit, das notwendige Geld für die
dritte Gesamtschule aufzutun.
Ganz anders sah das der Koalitionspartner von der CDU, sprach
von Verschwendung von Steuergelder und Gefährdung des Schulfriedens.
Bernhard Marewski, schulpolitischer Sprecher der Fraktion, erklärte:
"Wir haben in Leverkusen eine ausgezeichnete Schullandschaft",
die praktisch allen Neigungen und Interessen von Schülerinnen
und Schülern entgegen komme. Dieses "wohl funktionierende
Schulwesen" gerate nun aus ideologischen Gründen in
Gefahr, erklärte Marewski und warf der SPD vor, die dritte
Gesamtschule im Hau-Ruck-Verfahren durchsetzen zu wollen.
Das Verfahren bemängelte auch FDP-Fraktionschefin Hiltrud
Meier-Engelen. Der Antrag der vier Fraktionen sei in den Fachausschüssen
inhaltlich nicht vorberaten worden. Dem widersprach Walter Mende
(SPD). Der Schulausschuss haben den Fall in den Rat überwiesen,
und Thomas Wolf (Pro Op) konterte, von einem Hauruck-Verfahren
könne keine Rede sein. "Unser Antrag ist schließlich
schon zwei Jahre alt". Erhard T. Schoofs, Vormann der Bürgerliste
im Rat, ließ keinen Zweifel an der Notwendigkeit einer
dritten Gesamtschule: "Das dreigliedrige Schulsystem hat
eindeutig versagt". Roswitha Arnold, Fraktionschefin der
Grünen, warf der CDU vor, sie wolle die Ergebnisse der Pisa-Studie
immer noch nicht zur Kenntnis nehmen. Nicht grundsätzlich
gegen die dritte Gesamtschule zeigte sich die UWG. Deren Vertreter,
Reinhard Vozelj, aber wollte zunächst wissen, welche Schule
dafür geschlossen werden müsse.
Das wiederum war für CDU-Fraktionschef Klaus Hupperth völlig
klar: "Es bleibt nur übrig, ein Gymnasium zu schließen
- das Landrat-Lucas-Gymnasium oder das Werner-Heisenberg-Gymnasium,
wenn man eine dritte Gesamtschule fordert." Dem widersprach
SPD-Fraktionschef Walter Mende vehement. Die CDU baue einen Popanz
auf. Die SPD denke überhaupt nicht daran, ein Gymnasium
oder eine Realschule zu schließen. "Für so blöd
können Sie uns nicht halten. Wir sind doch keine politischen
Selbstmörder."
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